Geschichte Chiles

Conquista und Unabhängigkeit

In vorspanischer Zeit drang das Inkareich von Norden bis zum Río Maule vor und stieß dort auf die kriegerischen Stämme der Mapuche. Die Ureinwohner leisteten auch den Spaniern, von denen sie Araukaner genannt wurden, über 300 Jahre lang erbitterten Widerstand - bis zu ihrer gewaltsamen "Befriedung" Ende des 19. Jahrhunderts. Pedro de Valdivia, der das Gebiet Chiles im Auftrag Pizarros von Peru aus eroberte, gründete 1541 die Stadt Santiago. 1810 verkündete das Land die Unabhängigkeit von der spanischen Krone, und nach einem heftigen Bürgerkrieg gelang in Chile binnen weniger Jahrzehnte die Stabilisierung des politischen Systems.

Wirtschaftlicher Aufschwung

Ab Mitte des 19. Jhs. siedelten sich tausende Deutsche in Chile an; sie sind heute weitgehend in der Gesellschaft assimiliert. Mit dem Sieg gegen Peru und Bolivien in Chiles einzigem großen Nationalkrieg (Salpeter- oder Pazifikkrieg) 1879-1881 begann eine Blütezeit für die Wirtschaft des Landes. Große Salpeterminen im eroberten Norden (Atacamawüste) und später die Entdeckung der größten Kupfervorkommen des amerikanischen Kontinents verschafften dem Land - beziehungsweise einer kleinen Schicht - einen relativen Wohlstand. Dominiert wurde der Kupferbergbau und -export weitgehend durch US-amerikanische Unternehmen.

Frei und Allende

Erst mit der Regierung des Christdemokraten Eduardo Frei (1964-1970) kam es zu einer Teilnationalisierung der Kupfer-Vorkommen, die unter dem sozialistischen Präsidenten Salvador Allende (1970-1973) vollständig verstaatlicht wurden. Zu den wichtigsten Programmpunkten Allendes, der Chile auf einem demokratischen Weg zum Sozialismus führen wollte, gehörte auch die konsequente Durchführung der von Frei eingeleiteten Agrarreform.

Ein Drittel der gesamten landwirtschaftlichen Fläche wurde in Staats- und Kollektivbesitz umgewandelt; auch das Bankwesen und große Bereiche der Industrie wurden entschädigungslos verstaatlicht. Dies hatte das völlige Ausbleiben ausländischer Investitionen zur Folge, was zusammen mit dem Verfall des Kupferpreises auf dem Weltmarkt und der problematischen Wirtschaftspolitik der Allende-Regierung eine tiefe Krise zur Folge hatte. Streiks und Boykotte von Landbesitzern, Kupferarbeitern und Transportunternehmen, die Obstruktionspolitik der rechten Oppositionsparteien im Parlament und die Destabilisierungsversuche des CIA heizten die Stimmung gegen Allende drastisch an.

Der Militärputsch

Am 11. September 1973 kam es zum Militärputsch. Präsident Allende nahm sich in der belagerten und bombardierten Moneda das Leben. Heereschef Augusto Pinochet übernahm die Macht an der Spitze einer Junta von Generälen der Streitkräfte. Unter der Militärdiktatur wurden die politischen Parteien verboten, das Parlament aufgelöst, Andersdenkende brutal verfolgt, ermordet oder ins Exil getrieben, die Pressefreiheit aufgehoben und gewerkschaftliche Aktivitäten unterdrückt. Die Wirtschaft des Landes wurde nach dem Modell des Neoliberalismus vollkommen umstrukturiert, ausländische Investitionen gefördert, Zölle abgebaut und das Land dem Weltmarkt geöffnet. Der wirtschaftliche Aufschwung stellte sich erst relativ spät ein und zeitigte hohe soziale Kosten.

Die Demokratie gewinnt

Das Plebiszit von 1988 (knappes Nein gegen eine weitere Amtszeit Pinochets) ermöglichte erstmals wieder freie Wahlen, die 1989 abgehalten wurden. Als gemeinsamer Präsidentschaftskandidat von 17 Mitte-Links-Parteien (Concertación) gewann der Christdemokrat Patricio Aylwin die Wahlen, das Parlament nahm (von nun an in Valparaíso) wieder die Arbeit auf. Aylwin und seine Nachfolger Eduardo Frei (1994-2000, Christdemokrat) und Ricardo Lagos (2000-2006, Sozialist) leiteten eine Reihe politischer Reformen ein, behielten jedoch das neoliberale Wirtschaftsmodell weitgehend bei. Sie bemühten sich um die (Wieder-)Einbindung Chiles in die internationalen politischen Gremien und den Anschluss an den Weltmarkt durch gezielte Freihandelsabkommen, u.a. mit der Europäischen Union. Gleichzeitig bemühten sie sich um eine soziale Abfederung des neoliberalen Modells und konnten erfolgreich die Armut bekämpfen.

Die erste Frau an der Spitze

Die Präsidentschaftswahlen 2006 sahen nicht nur erneut einen Kandidaten der Concertación vorn, sondern brachten für das konservative Chile eine Sensation: Mit der Sozialistin Michelle Bachelet wurde erstmals eine Frau ins höchste Staatsamt gewählt. Sie trat ihre Regierung unter guten politischen und wirtschaftlichen Vorzeichen an, konnte davon jedoch kaum profitieren. Ihre Amtszeit war überschattet von Krisensignalen in den Bereichen Bildung und Energie sowie von sozialen Protesten. Auch hatte sie es als Frau nicht leicht in einer von Männern dominierten Gesellschaft. Das tat ihrer ungewöhnlich großen Beliebtheit bei den Chilenen jedoch keinen Abbruch. Heute steht Bachelet - nach einer Interimsregierung unter dem Mitte-Rechts-Präsidenten Sebastián Piñera (2010-14) - wieder an der Spitze der Nation (2. Amtszeit 2014-18).