Die chilenische Wirtschaft

Chiles Wirtschaft beruhte und beruht bis heute auf der extensiven Ausbeutung seiner Naturschätze. Ende des 19. Jhs. begann der industrielle Abbau der Kupfererze in Nord- und Mittelchile. Bald stieg Chile zum weltgrößten Produzenten des roten Metalls auf. Die einseitige Abhängigkeit von der Rohstoffausfuhr hält bis heute an und hat in der Vergangenheit immer wieder zu Krisen geführt.

Seit den von der Militärregierung Anfang der 1980er Jahre durchgedrückten neoliberalen Reformen und der Öffnung zum Weltmarkt sind auch Chiles Land- und Forstwirtschaft blühende Wirtschaftszweige geworden. Chilenische Erdbeeren, Pfirsiche und Trauben gehen aus dem Südsommer per Luftfracht in die Supermärkte der Nordhalbkugel. Ebenso Butter, Wein und Tiefkühlfisch: Binnen weniger Jahre ist Chile zum zweitgrößten Lachsexporteur nach Norwegen avanciert. Zugleich leidet die Umwelt unter den Folgen industrieller Landwirtschaft und der ökologisch stark bedenklichen Nutzung der Meere und Seen.

Das Wirtschaftswachstum der letzten drei Jahrzehnte hat Chile den Status eines Schwellenlandes und einer wachsenden Mittelschicht relativen Wohlstand beschert. Dabei lebt offiziell immer noch ein Sechstel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, und die Spanne zwischen Arm und Reich hält weltweit Spitzenplätze. Doch im lateinamerikanischen Vergleich schneidet Chile bestens ab, was wirtschaftliche Stabilität und Lebensstandard angeht. Dies ist nicht zuletzt dem gänzlich "unlateinischen" Fleiß und Ehrgeiz der Chilenen geschuldet. Sie gelten als die Preußen des Kontinents, Korruption und Schlendrian halten sich in Grenzen, und nirgends auf der Welt wird so lange gearbeitet wie hier - angeblich 2400 Stunden im Jahr.

Chiles Wirtschaft hat sich nach einer Flaute um die Jahrhundertwende und der Weltwirtschaftskrise 2008/09 wieder erholt und ist weiterhin auf Wachstumkurs. Auch die Währung - der Chilenische Peso - hat verschiedenen internationalen Krisen stand gehalten und ist trotz zyklischer Schwankungen vergleichsweise stabil.