Das chilenische Spanisch

Wer in Chile unterwegs ist, sollte sich möglichst auf Spanisch verständigen können. Die Englischkenntnisse der meisten Einheimischen lassen zu wünschen übrig (was weniger gegen die Chilenen als mehr gegen die Schulausbildung spricht). Insbesondere in ländlichen Gebieten kommt man mit Englisch nicht weit. Ein Intensivkurs vor der Reise oder vor Ort sowie ein handlicher Sprachführer können das Reisevergnügen erheblich steigern, da man mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt kommt und in brenzligen Situationen Rat und Hilfe suchen kann.

Da es selbst für gute Spanischlerner einem Abenteuer gleich kommt, den Dialekt und den ausgeprägten Slang der Chilenen zu verstehen, gehen wir hier auf die geläufigsten nationalen Besonderheiten des Spanischen ein, das hierzulande Castellano (nach seiner Herkunft aus Kastilien) genannt wird.

Aussprache & Grammatik

Die Chilenen gehören zu den Schnellsprechern in der hispanischen Welt. Das wäre noch nicht schlimm, verschluckten sie dabei nicht Verständnis fördernde Wortteile, insbesondere das Endungs-'s', so dass man Singular und Plural meist nur erraten kann. So stolpert man zunächst über Dialoge wie "¿Cómo estás? - Maomeno nomá." (= más o menos, no más; auf Deutsch so viel wie: 'so lala'). Auch andere Formen werden gern verkürzt. So wird aus dem Suffix '-ado' oft '-ao' wie in volao, aus '-ada' ein betontes '-á' wie in empaná, aus der Präposition 'para' ein kurzes bzw. aus 'para el' einfach pal.

Wie überall in Lateinamerika, entfällt das kastilische vosotros mit der entsprechenden Konjugation und wird durch ustedes ersetzt, wonach das Verb wie nach ellos konjugiert wird, also: ustedes buscan etc.

Dafür hält der chilenische Slang eine knifflige Besonderheit bereit: Die Endungen der 2. Person Singular ('-as', '-es') werden durch '-ai' bzw. '-ís' ersetzt, das heißt viajas wird zu viajái, sabes zu sabís. Z.B.:¿A dónde vai? (Wohin gehst du?),¡No seai tonto! (Sei doch nicht blöd!), ¿Me podís dar fuego? (Kannst du mir Feuer geben?). Die Benutzung dieser stark informellen Formen wird in einigen Bereichen stark sanktioniert und klingt im Mund eines Ausländers ohnehin seltsam, daher sollte man lieber die Finger bzw. die Zunge davon lassen.

Ein auch in anderen Ländern gebräuchliches, in Chile aber besonders beliebtes Mittel ist die Wortverdopplung zur Bedeutungsverstärkung oder auch, um Echtheit oder Reinheit auszudrücken. So bestellt man im Restaurant am besten café café, wenn man Bohnenkaffee möchte statt des verbreiteten Instant-Kaffees. Und wenn jemand mitten im Zentrum wohnt, sagt er: Yo vivo en el centro centro.

Ebenfalls in anderen lateinamerikanischen Ländern anzutreffen ist der massive Gebrauch der Diminutivformen '-ito' und '-ita'. Diese Anhängsel bedeuten nicht nur 'klein', wie etwa bei niñito (kleiner Junge) oder mesita (kleiner Tisch), sondern haben weitere Funktionen. So drückt man mit '-ito/ita' liebevolle Zuwendung aus (mamita) oder versucht, damit die Dringlichkeit, die Direktheit oder die Wichtigkeit einer Sache oder einer Handlung zu relativieren. Espérese un momentito (Warten Sie ein 'Momentchen') heißt nicht etwa, dass der Moment kurz sein wird, sondern vielmehr, dass der Sprecher dem Hörer das Warten schmackhafter machen, ja ihn indirekt sogar darauf vorbereiten will, dass der momentito eine gehörige Weile dauern kann...