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Auf dem Wasser durchs Feuerland
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Das Expeditions-Kreuzfahrtschiff Mare Australis erkundet den Südzipfel Amerikas
Gleich nach der Schwimmwesten-Übung wird die wichtigste Information für die nächsten acht Tage durchgegeben: '69' ist die magische Nummer - für den automatischen Weckdienst. Denn wer hier verschläft, hat das Beste des Tages leicht verpasst.
Die meisten Passagiere nehmen's mit Humor. Wir wissen, dass wir keine normale Kreuzfahrt gebucht haben, und sind nicht zum Ausgangshafen Punta Arenas in Südchile gekommen, um eine Woche lang zu faulenzen. Mit 120 Kabinenplätzen ist die Mare Australis nicht nur weitaus kleiner als die meisten ihrer Kollegen, sondern sie wirbt auch mit dem Schlagwort "Expeditions-Kreuzer" um ein Publikum, dem der Sinn nach mehr steht als karibischen Cocktails und Gute-Laune-Animateuren. Die Doppelstrategie zieht: Zum einen erreicht der Betreiber Cruceros Australis "klassische" Kreuzfahrt-Touristen, die mal etwas Neues ausprobieren wollen, zum anderen sind viele jüngere Leute an Bord, die auf Abenteuer und raue Natur stehen.
Feuerland ist das Zauberwort, das uns alle lockt, der sagenumwobene letzte Zipfel Südamerikas, das "Ende der Welt": ein wild-zerrissenes, winddurchtostes Gewirr von Inseln, Fjorden und Kanälen, ein kaum besiedeltes und wenig erforschtes Territorium. Hier gibt es noch unberührte Urwälder, unbezwungene Gipfel, eine halbwegs unbehelligte Tierwelt. Die Mare Australis versteht sich als "Mittel zum Zweck", einige der schönsten Ecken Feuerlands auf dem (oft einzig möglichen) Wasserweg zu erkunden - und ist damit konkurrenzlos.
So ein "Mittel" lässt man sich freilich gefallen. Das schmucke, 2002 fertig gestellte Schiff bietet einiges auf, um uns die Fahrt so angenehm wie möglich zu gestalten: gemütliche Kabinen, Salons mit Panoramafenstern, ein offenes Aussichtsdeck, üppiges Essen und "open bar". Besatzung und Personal sind gut vorbereitet und überaus freundlich, selbst der Käpt'n lässt jeden Neugierigen auf die Brücke. Nicht zuletzt kann man auf dieser Tour viel über Geschichte, Geografie, Flora und Fauna Feuerlands lernen, dafür sorgen zahlreiche erstklassige Vorträge.
Das Besondere dieser "Kreuzfahrt" hängt jedoch mit dem Weckruf '69' zusammen. Fast jeden Tag stehen zwei Exkursionen auf dem Programm. Manche noch vor dem Frühstück, um das dichtgedrängte Tourprogramm zu schaffen. Und so drängeln wir uns um 6.30 Uhr in der Morgenkühle am Heck, unförmige Gestalten in gelbem Gummizeug und leuchtend-oranger Schwimmweste, und steigen in die Schlauchboote, die uns zum Ufer bringen, dicht neben der tiefblauen, zerklüfteten Wand eines Gletschers. Auch der Barkeeper ist an Land gegangen und serviert Whisky auf tausendjährigem Eis - auf nüchternen Magen!
Die gewaltigen Gletscher, die hier zu Dutzenden von der eisbedeckten Darwin-Kordillere in die Fjorde hinabstoßen, gehören zu den Protagonisten der Fahrt. Nicht weniger attraktiv sind die Wanderungen durch den dichten südpatagonischen Urwald oder der Besuch einer seltenen Seeelefantenkolonie. Bis auf wenige Meter können wir uns den behäbig am Strand liegenden, bis zu drei Tonnen schweren Meeressäugern nähern. Nicht fehlen dürfen die putzigen Magellanpinguine, etwa auf der Insel Magdalena, wo sie zu Hunderttausenden siedeln und uns seltsame Gestalten eher mit Neugier denn mit Scheu beäugen. Und wir haben Glück: Bei einer Schlauchboot-Tour schwimmen Delfine mit uns um die Wette und zeigen ihre Sprungkünste.
In Puerto Williams, der südlichsten Siedlung Amerikas, begegnen wir den letzten Yámana-Indianern, die einst mit zerbrechlichen Rindenkanus statt luxuriösen Schiffen die feuerländischen Kanäle befuhren. Am Beagle-Kanal fast gegenüber liegt das argentinische Ushuaia. Hier verlassen die Passagiere das Schiff, die nur die Teilstrecke Punta Arenas - Ushuaia gebucht haben, neue kommen für die umgekehrte Route hinzu, die zum Teil eine andere Strecke und komplett andere Stopps vorsieht.
Für viele, insbesondere für nicht wenige Hobbysegler und Yachtkapitäne an Bord, ist der Abstecher zum mythischen Kap Hoorn (Teil der Rückroute) der absolute Höhepunkt. Bis heute gehört die Umsegelung der von wilden Stürmen heimgesuchten Südspitze Amerikas zu den großen Herausforderungen der Seefahrt - über 800 Schiffbrüche zeugen davon. Die Chance, auf dieser Fahrt seekrank zu werden, ist dennoch minimal: Die Mare Australis fährt nur durch weitgehend geschützte Kanäle bis zur letzten Insel, der Isla Hornos, und wieder zurück. Das Kap als solches wird nur umrundet, wenn das Meer spiegelglatt ist (so gut wie nie). Dafür gehen wir an Land, blicken aus sicherer Entfernung ehrfürchtig auf das felsige Kap und besichtigen das von den Kap-Hoorn-Kapitänen aufgestellte Denkmal, einen stilisierten Albatros. Im letzten Leuchtturm tut ein einsamer Leuchtturmwärter Dienst. Der 28-jährige Maat hat Glück: Seit kurzem erlaubt die Marine, die Ehefrau auf die Außenposten mitzunehmen. Und so ist er nicht ganz so einsam. Auch deshalb nicht, weil er jeden Donnerstag vor dem Frühstück Besuch von 120 orangefarbenen Touristen bekommt.
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| Das Schiff |
"Mare Australis"
Jungfernfahrt Nov. 2002
73 m lang, 13 m breit
4 Decks, 3 Salons
63 Kabinen, 129 Passagiere
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| Die Route |
Punta Arenas - Magellanstraße - Beagle-Kanal - Puerto Williams - Ushuaia - Kap Hoorn - Punta Arenas (7 Nächte)
Teilstrecken: Punta Arenas/Chile - Ushuaia/Argent. (4 Nächte), Ushuaia - P. Arenas (3 Nächte)
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| Preise |
7 Nächte: 1152 bis 2537 USD
4 Nächte: 785 bis 1903 USD
3 Nächte: 681 bis 1649 USD
Preise pro Person in Doppelkabine, abhängig von Kategorie und Saison. Der Preise beinhaltet Vollverpflegung, open bar, sämtliche Exkursionen außer Puerto Williams und Ushuaia.
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| Buchungen |
über zwei Dutzend deutsche Agenturen Weitere Informationen unter www.australis.com.
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Malte Sieber
Publiziert in TravelTalk Nr. 9/2003
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